Wer wagt es, den Kunden zu kritisieren ...?

Der Kunde ist König. Das denkt auch der Kunde. Wir sind sogar mal mit dem Slogan rausgegangen: »Bei uns ist der König Kunde!« Und wie sich das für einen König ziemt, gibt er Befehle und die Gefolgschaft gehorcht. Doch was, wenn der König einmal nicht im Recht ist und sich Unmut im Volk breitmacht? Wer sagt das dem König Kunde, sodass der es auch akzeptiert?

Kritisieren früher
Jeder König hatte früher seinen persönlichen Berater. Doch auch der lebte ständig in der Angst, den König einmal mit seinen Worten zu erzürnen und daraufhin seinen Kopf zu verlieren. Also gab es zwar früher schon Berater, doch konnten die nicht wirklich beraten, weil sie dem König immer nur das sagen durften, was diesem auch gefiel. Eine Person gab es jedoch bei Hofe, die gleichzeitig auch direkt mitten unterm Volk mitmischte: der Hofnarr. Ihm war es als Einzigem erlaubt, dem König Fakten mitzuteilen, ohne dafür gleich mit dem Leben bezahlen zu müssen. Der König nahm ihm schlechte Botschaften nicht übel, weil er diese in Ulk und Klamauk »verpackte«. Und trotzdem nahm er ihn ernst.

Kritisieren heute
In der Beratung heute verliert glücklicherweise niemand mehr seinen Kopf, wenn er seinem Kunden gegenüber Kritik äußert. Genauso wenig schlüpft ein Berater noch in die Rolle eines Hofnarren, wenn er auf etwas Unangenehmes aufmerksam machen möchte. Was allerdings immer noch recht weit verbreitet ist, ist die Annahme: Der Kunde sollte möglichst nicht kritisiert werden. Doch genau das ist es, was echte und aufrichtige Beratung ausmacht.

Echte, aufrichtige Beratung lebt von Kritik
Wer einen Berater aufsucht, möchte Sparring auf Augenhöhe. Und wie vom Sparring im Spitzensport bekannt, kann das durchaus auch mal unangenehm werden. Und weh tun.

Wir gehen jeden Tag mit unseren Kunden ins Sparring und bringen sie dort an persönliche Grenzen. Das Überschreiten einer bereits lange existierenden Grenze tut weh. Das wissen wir. Fehler eingestehen tut weh. Mit Tatsachen konfrontiert werden tut weh. Wir nehmen als Berater kein Blatt vor den Mund. Unser Mandat ist klar vom Kunden formuliert. Um darin unser Ziel zu erreichen, tun wir das, was getan werden muss. Und dazu gehört auch Kritik äußern.

Kritik ist niemals persönlich oder wertend. Kritik ist in der Arbeit mit Kunden ein essenzieller Teil, um das Mandat zielführend auszuführen. Vielleicht sind wir doch ein bisschen die Hofnarren von heute. Aber solche, die sich nicht selbst verstellen, um das zu sagen, was gesagt werden muss. Gerne auch kritisch. Liebe Kunden, denkt immer daran: Wenn ihr euch konfrontiert fühlt, machen wir gerade einen richtig guten Job.