Personalagentur mal anders

Eine Erfolgsstory

Wenn in einem Unternehmen Umstrukturierungsmaßnahmen bevorstehen, geht es überwiegend um Kostenreduzierung. Daran gekoppelt sind meist Personalreduzierungen. Betroffene Mitarbeiter landen in solchen Fällen klassischerweise in Transfergesellschaften, die als neuer Arbeitgeber fungieren. Völlig außer Acht gelassen wird bei diesem Vorgehen oft allerdings das Individuum Mensch. Bei einem Großbetrieb der metallverarbeitenden Industrie haben wir einen Prozess gestartet, diese Mitarbeiter in einer internen Personalagentur aufzufangen und wieder in Beschäftigung zu bringen. Aus unserer Sicht könnte dieses zu einer echten Erfolgsstory werden, wie wir sie ähnlich bereits in anderen Projekten erlebt haben.

Mit harten Tatsachen konfrontiert
Begonnen hat alles damit, dass der Mutterkonzern dieses Unternehmens, ein Marktführer in der Herstellung von Edelstahl mit Sitz in Skandinavien, Einsparungsvarianten für die deutschen Standorte angeordnet hatte. Als die Entscheidungen des Mutterkonzerns feststanden, hat man versucht, eine gemeinsame Lösung zu finden. Im Zuge dessen entstand so im August 2015 zwischen Konzernbetriebsrat und der deutschen Geschäftsführung ein ergänzender Sozialplan, in welchem auch beschlossen wurde, dass eine interne Personalagentur gegründet wird. Diese sollte die Aufgabe haben, die betroffenen Mitarbeiter wieder in Beschäftigung zu bringen.

Normalerweise bildet man in solchen Fällen eine Transfergesellschaft, bei der die Mitarbeiter, die aus dem Unternehmen ausscheiden, einen neuen Arbeitgeber haben. Das war bei diesem Unternehmen allerdings nicht möglich, weil laut Beschäftigungssicherungsvertrag der IG Metall bis Ende 2020 keine betriebsbedingten Kündigungen ausgesprochen werden können. Trotzdem gibt es im Zuge der Reorganisationsmaßnahmen im Konzern – also auch in Deutschland – Arbeitsplätze, die jetzt schon wegfallen. Das hätte zur Folge, dass die Menschen, die sich aktuell auf den Arbeitsplätzen befinden und dort noch arbeiten, von heute auf morgen ohne Arbeit sind. Sie würden möglicherweise in ein tiefes emotionales Loch fallen, mit psychischen Auswirkungen bis hin zu Depressionen. In anderen Unternehmen haben wir genau das nämlich schon beobachtet, weil Menschen dort zum Nichtstun verdammt sind. Man könnte sie auch nach Hause schicken, doch dann würde es ihnen emotional richtig schlecht gehen.

Diese interne Personalagentur ist anders als eine Transfergesellschaft, die häufig nur Stärken und Schwächen bei Mitarbeitern analysiert und sich auf das Profil der Tätigkeiten bezieht, also Ausbildung und Weiterbildungen. Aber nicht auf die Motive der Menschen. Der Ansatz dieser implementierten Personalagentur ist ein anderer: Wir machen mit den Menschen ein Profiling auf Basis des Reiss-Profils, um zu schauen, in welchem Kontext sie überhaupt arbeiten können oder möchten. Mit diesem Instrument gelingt es, die Individualität eines Menschen abzubilden, denn es setzt an der Motivation an und erklärt das »Warum« menschlichen Handelns. Dieses Wissen erleichtert die Suche nach einem für den Menschen individuell passenden Arbeitsplatz.

Suchen im Kontext
So gibt es beispielsweise Menschen, die eine starke Teamorientierung haben. Wenn diese sich auf einen Arbeitsplatz bewerben würden, bei dem sie tagsüber alleine im Büro sitzen, wären sie nicht glücklich. Also suchen wir anders als die klassischen Personalagenturen. Wir suchen im Kontext. Das heißt: Wir machen keine klassischen Bewerbungstrainings – das kann jeder – wir machen das motivorientiert.

  • mit Workshops
  • mit sehr individuellen Bewerbungsunterlagen
  • sehr individuellen Bewerbungsfotos bis dahin, dass wir Probearbeiten vermitteln und mit der Arbeitsagentur zusammenarbeiten.

Das ist etwas, was es so in Deutschland nur sehr spärlich gibt.

Insbesondere von der Arbeitsdirektorin dieses Unternehmens wurde dieses Vorgehen gewünscht. Sie wollte keine klassische Transfergesellschaft, weil sie die Mitarbeiter davor schützen wollte, in dieses emotionale Loch zu fallen.

Ziele und Nutzen
Am Ende der Beratung haben die betroffenen Mitarbeiter einen Überblick zu den wichtigsten Kriterien bei der Stellensuche und ein Gefühl dafür, welche neue Stelle bzw. Aufgabe für sie passend ist und wonach sie konkret suchen sollen. Sie können Bewerbungsunterlagen nach aktuellen Standards erstellen und Bewerbungsgespräche sicher führen. Damit haben sie gute Chancen, schnell wieder in Beschäftigung zu kommen. Idealerweise haben sie sogar schon einen neuen Arbeitsvertrag schließen können.

Eine weitere Besonderheit
Den oben genannten Sozialplan gibt es nun seit September 2016, der neben der Personalagentur auch noch andere Ausstiegsmodelle beinhaltet wie Abfindung, Aufhebungsvertrag etc. Eine weitere Besonderheit dieser Personalagentur ist, dass das Unternehmen obendrein eine Abfindung zahlt, sollte der Mitarbeiter ein neues Arbeitsverhältnis finden. Und für den Fall, der neue Arbeitgeber zahlt ein geringeres Gehalt, gleicht die Firma die Differenz zu dessen bisherigem Gehalt für ein Jahr aus. Das ist sehr spannend und sehr mitarbeiterorientiert und sehr fürsorglich.

Rentennahe Mitarbeiter fallen nicht in diesen Kontext, denn für sie gibt es andere Ausstiegsmöglichkeiten, die Zeit bis zur Rente zu überbrücken. Hier geht es hauptsächlich um Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zwischen 40 und 50, die durchaus noch für den Arbeitsmarkt gebraucht werden, sich bisher aber gar nicht bewerben mussten, weil sie seit mehr als 20 Jahren im Unternehmen tätig sind.

Die Angst nehmen
Wer seit vielen Jahren in ein und demselben Unternehmen tätig ist, weiß andererseits gar nicht, wie man sich heutzutage richtig bewirbt. Dabei gelingt es der internen Personalagentur auch, den Betroffenen die Angst zu nehmen, sich zu bewerben. Hier bekommen sie Einblick in die aktuelle Marktsituation: Welche Jobbörsen gibt es? Welche Portale gibt es? Was hat sich in Bewerbungen verändert? Das bedeutet: Jeder, der in diese Personalagentur geht, hat maximal 18 Monate Zeit und bekommt für diese Zeit einen Coach an die Seite gestellt, an den er sich jederzeit wenden kann.

Das ganze Projekt ist mit viel Aufwand, aber auch mit viel Fürsorge betrieben, seitens des Arbeitgebers und des Betriebsrates.

Aus Vorsicht wird Offenheit
Im Prozess merken wir, dass die Menschen erstmal sehr kritisch und vorsichtig sind, weil sie eine solche Maßnahme immer mit den bisherigen normalen Transfergesellschaften in Verbindung bringen. So investieren wir viel Aufklärarbeit, um die Menschen von der Personalagentur zu überzeugen. Besonders bei den Führungskräften, die verständlicherweise im Moment ebenso unsicher sind. Doch wir beobachten, dass auch diese Unsicherheit sich bereits legt und unsere Informationsveranstaltungen tun alles dafür, das weiter zu unterstützen.

Die Menschen müssen verstehen, dass es unterschiedliche Formen von Transfergesellschaften oder Personalagenturen gibt. All diese sind in Verruf, was ich auch verstehen kann, weil dort die Menschen eher verwaltet werden. Wir sind da anders: nämlich individuell.

We are proud!
Schließlich geht es um die Menschen, dass sie wieder entspannt eine neue Arbeit finden. Und wir sind schon ein wenig stolz sagen zu können, dass wir in einem anderen Projekt dieser Art eine Weitervermittlungsquote von über 90% verzeichnen dürfen.

We are proud! Für das, was wir dort gemeinsam für die Menschen erreichen und ermöglichen.