Mitarbeiter sind wie trotzige Kinder!

… klingt gemein, ist aber so! Zumindest, wenn sie von ihrer Führungskraft bevormundet werden. Nun sagen Sie vermutlich: „Bevormunden? Nein! So gehe ich mit meinen Mitarbeitern nicht um!“ Aus meiner langjährigen Erfahrung als Coach für Führungskräfte muss ich Ihnen jedoch leider sagen, dass es rund 90 Prozent der Führungskräfte genauso geht wie Ihnen. Sie denken, sie machen alles richtig, dass sie ihre Mitarbeiter bevormunden merken sie jedoch nicht. Welche Auswirkungen dies auf das Arbeitsklima hat und wie Sie es in Zukunft besser machen können, lesen Sie in diesem Blog.

Unternehmen vs. Kinderstube

Haben Sie schon einmal von der Transaktionsanalyse gehört? Dieses psychologische Grundmodell aus der Erwachsenenbildung besagt, dass wir uns zu 20 Prozent so benehmen wie unsere Eltern. 80 Prozent unseres Handelns entsteht aus unserer Erfahrung. Es sagt auch aus, dass jeder erwachsene Mensch drei Zustände verinnerlicht. Das Kind-Ich, das sich gerne mal einen Spaß erlaubt und das Leben leichtnimmt, das Erwachsenen-Ich, das eher nüchtern und sachlich reagiert und das Eltern-Ich. Letzteres kann entweder durch fürsorgliches Handeln in Erscheinung treten oder durch Tadel und Bevormundung.

Nun beziehen wir diese Zustände einmal auf Sie als Führungskraft. Führen Sie in Ihrem Eltern-Ich eher fürsorglich oder bevormundend? Diese Frage können Sie ganz leicht beantworten, indem Sie sich im Umgang mit Ihren Mitarbeitern reflektieren – das sollten Sie im Übrigen öfters machen, insofern das bisher noch nicht geschehen ist!

„Hast du meine Mail überhaupt gelesen?“ oder „Warum hast du das noch nicht fertig gemacht? Ich habe doch gesagt, ich brauche das bis heute!“ Haben Sie so schon einmal mit Ihren Mitarbeitern geredet? Dann darf ich Ihnen nun eröffnen, dass Sie über Bevormundung führen. Und wie reagiert ein Kind auf Bevormundung? Mit Trotz! Und genauso werden auch Ihre Mitarbeiter reagieren. Sie fühlen sich angegriffen, versuchen sich zu rechtfertigen, weil sie sich ertappt fühlen. Es ist Ihnen unangenehm und Sie bekommen als Chef die gute alte »Arschkarte«.

Gewusst wie!

Nun bedeutet das nicht, dass Sie Ihren Mitarbeitern nichts mehr sagen dürfen. Es kommt lediglich auf die Art und Weise an. Der Ton macht die Musik. Streichen Sie das Wörtchen »Warum« aus Ihrem Sprachgebrauch („Warum hast du das gemacht?“) und ersetzen Sie es durch klare, unterstützende Kommunikation. „Ich habe wahrgenommen, dass du deine Arbeit noch nicht erledigt hast. Wie kann ich dir dabei helfen? Was kann ich tun, damit dir dies in Zukunft gelingt? Habe ich einen Fehler gemacht?“

Sie sehen, es ist gar nicht so schwer. Stellen Sie die richtigen Fragen und Sie werden sehen: Ihre Mitarbeiter reagieren positiv. Sie fühlen sich wertgeschätzt und respektiert, werden mutiger, übernehmen mehr Selbstverantwortung und sie lernen, Ihnen Feedback zu geben. Wenn Sie das auch wollen, reflektieren Sie Ihren Führungsstil und Sie werden merken, es ist nur ein kleiner Hebel, den Sie betätigen müssen und er wird eine große Wirkung zeigen.