Gute Ergebnisse erzielen mit dem Betriebsrat

Von Carmen Halstenberg

Der Betriebsrat scheint für die meisten ein anstrengendes Gremium im Unternehmen zu sein. Wie diese Einschätzung zustande kommt, habe ich bereits im letzten Blog angemerkt. Heute gehe ich mal in die umgekehrte Perspektive und frage mich, welche Anreize ein Betriebsrat hat und welche Bedürfnisse. Wer weiß, vielleicht kommen wir ja mit diesem Ansatz zukünftig schneller zu einer besseren Zusammenarbeit.

Als ich mich mal mit einem Kollegen darüber unterhielt, welche Anreize ein Betriebsrat hat, entgegnete dieser: „Krawall machen“. Sicher schwirrt Ihnen eine ähnliche Antwort im Kopf, wenn Sie in Ihrem Unternehmen schon öfter mit dem Betriebsrat zu tun hatten. Nein, ich bin überzeugt, da muss mehr dahinterstecken. Dazu muss man die Intention des Betriebsrats verstehen.

Der eigentliche Fokus des Betriebsrats
Ein Betriebsrat hat einen klaren Fokus: Das Einhalten des § 80 des Betriebsverfassungsgesetzes. Er verfolgt also primär Recht und Gesetz – und nicht, das Unternehmen nach vorn zu bringen. Während das Management sehr wohl zum Ziel hat, erfolgreich zu sein und effektiv Erfolge einzufahren, sieht der Betriebsrat das nicht als sein erstes Ziel. Die Diskrepanz ist mehr als offensichtlich. Um das einmal genauer zu durchleuchten, haben wir uns damit beschäftigt, die Motivgrundlage von Betriebsräten herauszufinden und sie in Relation zu setzen mit denen der Unternehmensführung. Wie wir wissen, sind Motive unsere inneren Antreiber, etwas gern zu tun oder eben nicht so gern zu tun.

Es gibt drei wesentliche Motive, die Management und Betriebsrat antreiben. Das erste Motiv möchte ich im Folgenden gerne Vorstellen, weil es einen ganz wesentlichen Einfluss auf die Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat hat.

Das Motiv Macht
Eine hohe Machtausprägung im Management bedeutet, Dinge nach vorne bringen, Einfluss nehmen und Entscheidungen treffen wollen. Betriebsräte haben dagegen eine sehr niedrige Ausprägung von Macht. Sie möchten zwar gerne Einfluss nehmen, doch möchten oder können sie nicht immer oder gern entscheiden. Dem Betriebsrat ist allerdings wichtig, anderen Menschen helfen zu wollen und sie vor jeglichem Übel – des Arbeitgebers oder den Prozessen – in Schutz zu nehmen ganz nach dem Motto »Wir müssen unsere Belegschaft davor bewahren«. Das ist deren Antrieb. Sie ziehen sogar echte Freude daraus, wenn sie dafür sorgen können, dass es anderen Menschen gut geht.

Entscheidungsbereitschaft steigern
Wenn nun Management und Betriebsrat in Verhandlungen gegenübersitzen und eine derart unterschiedliche Ausprägung des Motivs Macht haben, muss man sich überlegen, wie man den Betriebsrat »abholen« kann, dass er Gefallen daran findet, mitzuentscheiden. Sobald der Betriebsrat erkennt, dass er mit seiner Beteiligung andere Menschen schützen kann, wird das gelingen. Wer das im Management vor Augen hat, kann ganz anders in die Planung eines Projekts und in die Vorbereitung gehen und den Betriebsrat mit einbinden.

Die Motive Ehre und Rache/Wettkampf sind die anderen beiden Motive, die wir für Management und Betriebsrat außerdem gegenübergestellt haben. Die Erkenntnisse hieraus möchte ich gerne im nächsten Blog zum Thema abbilden. Sie werden sehen: Mit diesem Wissen wird es Unternehmen viel leichter gelingen, zusammen mit dem Betriebsrat gute und für beide Seiten gewinnbringende Ergebnisse zu erzielen.