Gibt es eine Disruption der Beraterbranche?

Noch nie hatte man so stark wie heute den Eindruck, dass Branchen sich grundlegend verändern. Ja, dass ganze Märkte sich verändern. Zum einen liegt das daran, dass Kunden noch nie besser informiert waren, bevor sie ein Produkt oder eine Dienstleistung gekauft oder in Anspruch genommen haben. Zum anderen erwarten sie über das Produkt oder die Dienstleitung hinaus einen Mehrwert, der ihnen jeglichem hohen Standard zum Trotz das Leben ein kleines bisschen leichter und einfacher machen soll. Diese Erwartung macht auch vor der Beraterbranche nicht Halt: Wer nutzt die treffendste Methodik, Herangehensweise oder Ansätze, die das dem Kunden bieten? Wer bringt eine Beratungsleistung auf den Markt, die alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt? Welcher »Markteindringling« wird als nächstes den Großen automatisch das Wasser abgraben? Der Beraterbranche steht keine Disruption BEVOR ... nein, sie ist bereits längst mittendrin.

Die Gefahr kommt über Nacht
Sobald neue Denkansätze im Markt auftauchen, werden sie nicht selten von den Platzhirschen belächelt. Nach außen hin zumindest. Innerhalb der betroffenen Unternehmen fängt es allerdings längst an zu brodeln: Wer ist das? Was machen die anders? Können die uns gefährlich werden? Was bedeutet das für uns? Warum haben wir die noch nicht auf dem Schirm gehabt? Warum ist uns das nicht eingefallen?

Sie alle haben eins gemeinsam: Sie haben die heranwachsende Bedrohung nicht als solche erkannt. Sie haben sie ignoriert. Heruntergespielt. Abgetan, ganz nach dem Motto: „Wer kann uns schon gefährlich werden?“ Und über Nacht ist die Vorherrschaft gefährdet – vielleicht sogar dem Untergang geweiht.

Das Phänomen des Expertentums
Was wir immer wieder beobachten: Der Schuster trägt nicht zwingend auch die besten Schuhe. Bedeutet, dass ein Berater zwar hervorragend darin ist, seinen Kunden die besten Strategien zu erarbeiten, bei sich selbst die Sache jedoch eher vernachlässigt. Dazu kommt, dass sich insbesondere traditionelle Beratungsunternehmen schwer damit tun, neue Methodik, Herangehensweise oder Ansätze zu erarbeiten, weil dafür interne Kapazitäten abgezogen werden müssten, die dann an anderer Stelle wieder fehlen. Dann kommt noch eine nicht ganz abzuweisende Frage dazu: Was passiert, wenn eine neue Methodik oder ein innovativer Ansatz – welcher möglicherweise auch noch disruptiv sein könnte – im Markt richtig einschlägt? Wer aus dem Beratungsunternehmen wird als Experte hinter dieser Methodik oder dem Ansatz stehen? Und was, wenn dieses aufgrund eines günstigeren Preises und ebenbürtiger Leistung ganz hervorragend läuft? Plötzlich könnten längerfristige Investitionen nötig sein, niedrigere Gehälter und gekürzte Boni.

Konkurrenz für Berater
Mittlerweile finden sich einige solcher durchaus konkurrenzfähigen Methodiken, Herangehensweisen oder Ansätze im Umlauf. Noch sind diese relativ unscheinbar verglichen mit denen der großen Unternehmensberatungen, doch ist es nur eine Frage der Zeit, dass sie weiterentwickelt werden und damit zu einer echten Gefahr werden können.

Manch einer wünscht sich Zukunftsprognosen, die auch eintreffen. Genau wie beispielsweise produzierende Unternehmen mehrere Jahre vorausplanen, müssen das Berater auch. Immer mit dem Hintergedanken, dass bei einer solchen Planung nichts in Stein gemeißelt ist. Man muss immer damit rechnen, dass etwas in den Markt drängt, womit man nicht gerechnet hat – und plötzlich sind bewährte Modelle und Strukturen nicht mehr wirksam.

Steht eine neue Disruption auf dem Beratermarkt kurz bevor?
Wir befinden uns mitten in einer Disruption, denn es kann praktisch jederzeit passieren, dass eine für Kunden höchst interessante Methodik, Herangehensweise oder ein Ansatz auf den Markt kommt. Wir müssen aktuell also jederzeit damit rechnen, dass morgen schon ein Geschäftsmodell vorliegt, das bisher Dagewesenes über den Haufen wirft. Das bewährte Prozesse ins Wanken bringt. Das potenziellen Kunden einen so großen Mehrwert bietet, dass sie zu dem entsprechenden Anbieter abwandern. Wer das nicht auf dem Schirm hat, dem wird das als Berater das Genick brechen.

Was kann der Berater bzw. das Beratungsunternehmen tun?
Große Beratungsunternehmen wie auch »Einzelkämpfer« sollten auf jeden Fall zum einen immer daran arbeiten, eigene Methodik, Herangehensweise oder Ansätze zu entwickeln, die darauf ausgerichtet sind, das Leben der Kunden ein bisschen besser, leichter, angenehmer machen zu können. Wenn dann etwas Neues auf den Markt drängt, haben sie einen neuen Blick auf die Dinge, um ihr Geschäft weiter zu sichern.

Zum zweiten können wir nur sagen: Berater, haltet eure Augen offen! Seid darauf vorbereitet, dass euch das Wasser bald abgegraben werden könnte. Beobachtet den Markt und nehmt Veränderungen ernst. Dann nämlich seid ihr flexibel genug, um nicht euer Geschäft zu verlieren – und könnt mit euren eigenen Entwicklungen punkten.