Ein Sound macht noch kein Unternehmensleitbild

Jeder kennt es … im Aufzug, an der Supermarktkasse, im Taxi oder bei der Shopping-Tour – wir werden den ganzen Tag an jeder Ecke mit Musik beschallt. Während des Abendessens beim Nobelitaliener dudeln Liebeslieder von Eros Ramazzotti aus den Lautsprechern, doch schmeckt dadurch das Essen besser?

Fühlen Sie sich gut unterhalten oder brennt sich das Restaurant dadurch mehr in Ihre Erinnerung? Nein? Die Lufthansa ist der festen Überzeugung, dass Geräusche und Klänge zur Identität beitragen. Wir sind da anderer Meinung – denn ein Sound allein macht eben noch kein Unternehmensleitbild.

Ein kurzer Klang lässt Sie vielleicht wissen, dass Sie sich in der VIP-Lounge befinden, doch was wissen Sie jetzt über das Unternehmen Lufthansa? Kennen Sie die Unternehmensidentität der Fluglinie und wissen, wofür diese steht? Die echten Werte lernen Sie nur im direkten Umgang mit dem Personal kennen. Bei der Buchung, der Abfertigung am Schalter oder dem Service an Bord.

Die inneren Werte zählen
Unternehmensidentitäten werden oft schön verpackt, ähnlich wie Weihnachtsgeschenke. Sie kommen in schillernden Verpackungen mit aufwendigen Schleifchen und Glitzer daher. Doch beim Auspacken stellt sich dann die Enttäuschung ein – es ist wieder nur ein langweiliger Pullover, den Sie sowieso nie tragen werden. So ist es auch in der Werbung und im Marketing. Es wird viel Aufhebens um den schönen Schein gemacht und darum, den Kunden und Geschäftspartnern zu erklären, wer das Unternehmen ist und wofür es steht. Diese sehen zwar ein geschmackvolles Logo, einen ansprechenden Namen und hören eingängige Sounds – doch sie wissen immer noch nicht, mit wem sie es eigentlich zu tun haben.

Eine ansprechende »Verpackung« macht nur dann Sinn, wenn sie mit Motiven im Einklang steht, die jeden Tag gelebt werden. Erst wenn die Mitarbeiter, die täglich in Kontakt mit den Kunden stehen, einbezogen werden, die Unternehmenswerte verstanden haben und diese bei der Arbeit leben, gehen »Verpackung« und »Inhalt« eine authentische Symbiose ein. Ansonsten ist die Unternehmensidentität eine leere Hülle und bleibt dem Zufall überlassen.

Worauf es bei Unternehmensleitbildern ankommt
Es ist wichtig, erst mit dem Inhalt zu beginnen und nicht mit der Verpackung. Jedes Unternehmen sollte wissen, welche Identität es hat und wofür es steht. Hier sind in erster Linie Inhaber, Geschäftsführer und Vorstandsmitglieder gefragt. Wobei die einfache Frage nach der Identität schon so manche Führungsperson in eine Sinnkrise gestürzt hat. Man kann eine Unternehmensidentität eben nicht einfach aus dem Boden stampfen. Sie braucht einen Anfang, eine Herkunft, eine Geschichte und Traditionen – und diese müssen authentisch und echt sein. Die Mitarbeiter spielen dabei eine ernstzunehmende Rolle, erst wenn sie das Unternehmensleitbild verinnerlichen und sich damit identifizieren können, kann sich dauerhafter Erfolg einstellen. Finden sich die Mitarbeiter hingegen nicht im Unternehmensleitbild wieder, werden sich auch Ihre Kunden fragen, wofür Sie stehen.

Welche Motive haben Sie?
Beim Stichwort »Inhalt« nicken Führungskräfte oft fleißig und zeigen stolz ihre Leitbilder aus Werbebroschüren und auf Websites. Zunächst scheint es ein gutes Zeichen, dass Unternehmen Leitbilder haben, dennoch eignen sich diese eher als Sprüche für Poesiealben und taugen in der Praxis relativ wenig. Denn die meisten Chefetagen gehen am Wesentlichen vorbei – den Motiven der Menschen, die für ihr Unternehmen arbeiten. Alle Leitbilder sind nutzlos, wenn sie nicht im Einklang mit den Unternehmenswerten stehen und mit Leben gefüllt werden. Erst wenn die Geschäftsführung die Werte, die im Leitfaden verankert sind, vorlebt, gewinnt sie an Glaubwürdigkeit – bei Kunden und Geschäftspartnern.

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