Der schmale Grat zwischen »mutig« und »dumm«

Vor einiger Zeit war ich in meiner Rolle als Coach in einem Produktionsunternehmen unterwegs. Im Gespräch mit drei Meistern fiel immer wieder die gleiche Beschwerde: „Unsere 50 Mitarbeiter regen sich ständig über unsere Schichtpläne auf! Jeden Tag geht es erneut durchs Jammertal.“ Was erwarteten die Führungskräfte jetzt von mir? Nun, vermutlich einen Tipp, was sie dagegen unternehmen könnten… Stattdessen war ich schockiert! „Warum fragt ihr eure Mitarbeiter denn nicht selbst und lasst sie die Schichtpläne untereinander gestalten?“ Ich blickte in drei ratlose Minen und bekam die Antwort im Chor: „Weil die das doch nicht können!“. Wieder einmal musste ich feststellen: Mut bedeutet zu akzeptieren, dass die eigenen Mitarbeiter fachlich fitter sind. Dummheit ist es, dies nicht zu erkennen.

Ob der das kann?

Vielleicht kommt Ihnen das als Führungskraft bekannt vor. Hand aufs Herz: Wieviel trauen Sie Ihren Mitarbeitern zu? Leider erlebe ich das oben genannte Beispiel in meiner täglichen Arbeit noch allzu häufig – die Dummheit anderen nichts zuzutrauen, anstatt den Mut es zu tun. Dabei ist es in einer sich verändernden Arbeitswelt, die immer agiler wird und deren Hierarchien deutlich abflachen nicht nur mutig, sondern vernünftig Ihren Mitarbeitern mehr Selbstverantwortung zu geben und ihre fachliche Kompetenz zu akzeptieren. Ein guter Fußballtrainer erklärt seinen Spielern ja auch nicht, wie Fußball funktioniert, sondern beobachtet, baut Stärken aus und mindert Schwächen.

Das Herz auf der Zunge tragen

Sie als gute Führungskraft geben nicht nur Feedback, Sie fordern es auch ein. Aber wie bringen Sie Ihre Mitarbeiter dazu? Und da wären wir auch schon beim nächsten Thema: Dumm ist, wer sich nur über seinen Chef beschwert. Mutig ist, wer ihm ein ehrliches Feedback gibt. Hier liegt es jedoch an Ihnen als Führungskraft eine Unternehmenskultur zu etablieren, die Feedback als wertvolles Instrument ansieht. Denn mutig ist es, Feedback als eine Hilfestellung zu nutzen. Dumm ist es, es als Vorwurf und Angriff gegen die eigene Person anzusehen. Ich gehe sogar so weit zu sagen: Wenn meine Mitarbeiter sich nicht trauen mir als Führungskraft ein ehrliches Feedback zu geben, dann habe ich alles falsch gemacht!

In Zukunft müssen Sie als Führungskraft lernen von Ihrem hohen Ross zu steigen und endlich auf Augenhöhe zu agieren. Auch Ihre Mitarbeiter sind gefordert zu widersprechen und nicht alles, was Sie ihnen diktieren mit Ja und Amen abzunicken. In solch komplexen VUCA-Zeiten können Sie als Führungskraft nicht mehr alles wissen und deswegen müssen Ihre Mitarbeiter lernen zu hinterfragen.

Fazit

Wer mutig ist gewinnt! Egal ob Führungskraft oder Mitarbeiter. Nur wer mutig kommuniziert, der kann auch etwas erreichen und nachhaltig verändern.

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