Der Betriebstrat als Co-Management

Sie bemühen sich den Betriebsrat in die Entscheidungen einzubeziehen und am Ende eines Meetings heißt es doch nur wieder: „Wir müssen das noch einmal im Gremium besprechen“. Die Rückmeldung des Betriebsrats wird sich noch hinziehen – es nützt aber auch nichts, sich darüber aufregen.

Die Zustimmung per Gesetz ersetzen zu lassen, kostet nicht nur viel Zeit, Nerven und Geld, sondern verhärtet zudem die Fronten. Die Frage an dieser Stelle ist vielmehr: Wie wird am geschicktesten mit dem Betriebsrat umgegangen, wenn notwendige Entscheidungen anstehen?

Wann, wer und warum?

Wann der Betriebsrat in ein Projekt geholt wird, ist oft entscheidend. Geschieht dies zu spät fühlt sich der Betriebsrat zu recht übergangen und reagiert dementsprechend mit Widerstand. Wer im Betriebsrat sitzt, ist ein weiterer Faktor, den es zu berücksichtigen gilt. Machen Sie sich bewusst, dass hier in der Regel Menschen sitzen, die mit den jeweiligen Sachthemen nicht vertraut sind und oft nicht über Kompetenzen in Projektmanagementmethoden verfügen. Warum lässt sich also jemand zum Betriebsrat wählen? Aus persönlichen Bedürfnissen? Aus Antrieb sich proaktiv einzubringen? Oder gar aus Rache? Um zu verstehen, wie der Betriebsrat tickt, hilft es die Perspektive zu wechseln.

Den Betriebsrat verstehen lernen

Im Grunde agiert ein Betriebsrat wie eine Abteilung oder Stabstelle. Die Mitglieder verfügen über unterschiedliche Betriebszugehörigkeiten und Bildungsgrade. Eine Sache ist aber in fast allen Betriebsräten zu finden: das Fehlen von Strukturen. Das Gremium ist in den meisten Fällen basisdemokratisch aufgestellt – es herrscht keine Einigkeit. Der Eindruck, dass Betriebsräte auf Krawall gebürstet sind, bestätigt sich oft nicht. Der Fokus liegt einfach völlig anders: Während die Unternehmensführung möglichst effektiv Erfolge einfahren will, achten die Betriebsräte meist sehr genau darauf, dass Recht und Gesetz eingehalten werden. Menschen handeln immer aus intrinsischen Motiven heraus – so auch der Betriebsrat. Die Zusammenarbeit wird im Wesentlichen von drei Lebensmotiven geprägt.

Macht, Ehre und Rache

Die Ausprägung des Lebensmotivs Macht spiegelt sich wie folgt wider: Es gibt Menschen, die große Freude daran verspüren, Einfluss zu nehmen, Entscheidungen zu treffen und Ziele zu erreichen. Die andere Seite – wie oft in Betriebsräten anzutreffen – hat das Ziel, anderen Menschen helfen zu wollen. Menschen mit einer starken Ausprägung des Lebensmotivs Ehre sind charakterstark und achten darauf, dass es allen gut geht. Sie brauchen und schätzen Hierarchien und sind häufig auf Seiten der Betriebsräte. Im Umkehrschluss gibt es natürlich auch Personen, die eine hohe Ziel-Zweck-Orientierung haben. Diesen ist das angestrebte Ziel wichtiger als Traditionen und Werte. Das Rache-Wettkampf-Motiv in starker Ausprägung zeichnet sich durch den Spaß am sich messen, Kampfbereitschaft und Diskussionsfreude aus. Diese Ausprägung ist in den meisten Betriebsräten eher niedrig – deren Ziel ist Harmonie. Wenn nun zwei Parteien mit nahezu gegensätzlicher Ausprägung der Lebensmotive beieinandersitzen und über Prozesse reden sollen, wird es kompliziert. Mit dem Wissen um die jeweiligen Motive in einen Veränderungsprozess zu gehen, kann aber eine völlig andere Gesprächsbasis schaffen. Die hohe Kunst besteht nun darin, den Betriebsrat so abzuholen, dass alle Beteiligten Freude daran haben, mitzuentscheiden.

Den Betriebsrat ins Boot holen

Eine große Chance für eine gelungene Einbindung des Betriebsrates ist eine Klausurtagung – vor allem dann, wenn diese mit einer gemeinsam erarbeiteten Betriebsvereinbarung abschließt. Wenn alle mitgestalten, muss sich niemand mehr mitbeteiligen. Wer die Ziele und Motive des Gegenübers kennt und diese Bedürfnisse befriedigt, hat eine gute Chance, mit dem Betriebsrat gemeinsam Dinge nach vorne zu bringen.

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