Der Betriebsrat – das Co-Management im Unternehmen

Von Carmen Halstenberg

Wie geht man mit einem Betriebsrat um, wenn man sich mit seinem Unternehmen in einen Veränderungsprozess begeben möchte? Sei das Strukturen verändern, Leistungen outsourcen, Arbeitszeitmodelle verändern oder neu einführen oder Ähnliches – seit nunmehr 30 Jahren arbeite ich mit Betriebsräten und habe mir lange diese Frage gestellt.

In Angelegenheiten, bei denen der Betriebsrat nach § 87 BetrVG das Recht auf Mitbestimmung hat, schaffen wir es manchmal, den Betriebsrat in die Projekte mit einzubinden. Allerdings haben wir dann häufig das Gefühl: Man kann sagen und tun und einbinden wie man will, es ist immer schwierig. Spätestens wenn der Betriebsratsvertreter das Projektmeeting mit den Worten verlässt: „Das muss ich erst noch mal im Gremium besprechen. Wir teilen Ihnen unsere Entscheidung dann mit.“ Kennen Sie das?

Sind Menschen veränderungsmüde?
Es kommt das Gefühl auf, der Betriebsrat wolle keine Veränderung. Ich bin lange davon ausgegangen, dass die meisten Menschen veränderungsmüde sind. Diese These kennen Sie sicher auch. Ich habe allerdings festgestellt: Das ist falsch. Menschen wollen schon Veränderung. Die Frage ist nur, an welcher Stelle und wie binden wir sie ein? Frühzeitig? Was heißt frühzeitig? Umfassend und rechtzeitig sagt das Gesetz. Meine Erfahrung zeigt, dass »umfassend und rechtzeitig« in der Realität immer erst dann stattfindet, wenn die Maßnahmen bereits feststehen: Die Betriebsvereinbarung ist vorbereitet, der Plan als solches ist bereits fertig und die Zustimmung des Betriebsrats ist auch schon da. Das ist – aus meiner Sicht – zu spät.

Warum das Co-Management manchmal nicht funktioniert
Ein Betriebsratsmitglied in ein Projekt holen, um auch die Zustimmung des Betriebsrats dafür zu bekommen, lässt Entscheidungsmühlen meist ziemlich langsam mahlen. Das kann tödlich sein für ein Projekt. Also sollten wir etwas dagegen tun. Zuallererst bedeutet das, die Gründe dafür zu verstehen. Es gibt drei Gründe, warum das Co-Management manchmal nicht funktioniert:

  1. Der Zeitpunkt der Einbindung
    Geschäftsführungsebene oder auch HR-Ebene brauchen manchmal etwas länger oder auch zu lang, bis sie den Betriebsrat in ein Projekt einbinden.

  2. Die Qualifikation ist schwierig
    Betriebsratsmitglieder sind wenig bis gar nicht in Projektmanagementmethoden oder die betreffenden Sachthemen trainiert und gehen meist zu parteiischen Anbietern von Ausbildungsmaßnahmen wie die Gewerkschaften.

  3. Die Motivation
    Aus welchem Grund lässt sich jemand in den Betriebsrat wählen? Aus Rache? Aus persönlichen Bedürfnissen? Aus Antrieb, die Firma unterstützen zu wollen?

Mutig in den Perspektivwechsel
Lassen Sie uns mal den Betriebsrat als Abteilung betrachten. Nichts anderes ist er. Anders als eine Abteilung aufgestellt sein sollte, ist es jedoch oft das Selbstverständnis eines Betriebsrats: Struktur brauchen wir nicht. Was bedeutet das für die Ergebnisse? Betriebsratssitzungen werden dann sporadisch gehalten, Anhörungen gibt es bei Bedarf. Auf die Einzelaussage des Betriebsratsvorsitzenden können wir uns auch nicht verlassen, denn auch er ist immer wieder gezwungen, einen Schritt zurück in die basisdemokratische Ebenen zu gehen, um sich die Zustimmung für Entscheidungen abzuholen. Wertvolle Zeit verstreicht.

Kennen Sie das auch?

Dann lassen Sie uns mal einen Blick darauf werfen, woran das liegen könnte. Nehmen wir mal den »umgekehrten« Blick: Welche Anreize hat ein Betriebsrat? Welche Bedürfnisse? Wir satteln das Pferd einfach von der anderen Seite auf und schauen, wie wir diese neu gewonnene Erkenntnis für die Arbeit mit dem Betriebsrat nutzen können – im nächsten Blog zum Thema.