Der Berater – der weise Gandalf

Es ist schon eine Krux für einen Berater: Da kommt man in ein Unternehmen, wird von den Auftraggebern immer mit einer gewissen Skepsis empfangen und von Mitarbeitern argwöhnisch beäugt. Doch eigentlich will man nur helfen.

Also scheint bei Beratern etwas Grundlegendes zu fehlen, was deren Image wieder aufpolieren könnte. Aus unserer Erfahrung heraus ist es etwas, was den meisten Beratern leider noch fehlt: Der Gesamtüberblick über die Organisation, die Menschen darin und die mit ihr in Verbindung stehenden Partner – und wie deren Interagieren zusammenhängt. Ein Berater muss die Fähigkeit eines weisen Gandalfs haben.

Warum haben es Berater heute schwer?
Sollte sich nicht jeder darüber freuen, wenn er einen Berater auf dem Flur vor seinem Büro trifft? Schließlich sollte nach deren Arbeit alles besser werden. Oder wird es nur besser für die Chefs und die Mitarbeiter haben wie so oft das Nachsehen? Wird jetzt vielleicht rationalisiert? Werden Gehälter gekürzt? Arbeitsplätze gestrichen? Das Image eines Beraters ist leider nicht das beste und viele Firmenpleiten, die eine ganze Riege teurer Berater im Haus hatten, konnten trotz deren Einsatz nicht abgewendet werden. Da kann man jede Art von Skepsis absolut verstehen. Dabei könnte jeder Berater von Grund auf dafür sorgen, dass seine Arbeit von allen verstanden und sogar mit unterstützt wird.

Die typischen Herausforderungen für Berater
Für einen Berater ist es unabdingbar zu verstehen, wie die Organisation aufgebaut ist. Es bringt gar nichts, nur in einen Bereich des Unternehmens zu schauen und die anderen Bereiche komplett außen vor zu lassen. Prozesse und Strukturen sind in sich verflochten, was wiederum Auswirkungen auf jeden Einzelnen hat, der in irgendeiner Art mit dem Unternehmen in Verbindung steht. Von den Menschen, die ihm begegnen, ist jeder einzelne eine Persönlichkeit mit ganz eigenen Werten, Zielen, Ängsten und natürlich auch Wünschen. Diese müssen von dem Berater erkannt werden, so dass er die Arbeit mit ihnen entsprechend danach ausrichten kann.

Die Anforderungen an einen guten Berater sind hoch – und nicht zu unterschätzen. Und die bildliche Darstellung eines weisen Gandalfs ist gar nicht so weit hergeholt.

Was macht einen Berater zu einem weisen Gandalf

1. Selbstkenntnis
Es benötigt vor allem eins für einen guten Berater: Selbstkenntnis. Warum gerade Selbstkenntnis, fragen Sie sich jetzt vielleicht? Warum nicht einfach nur eine gute Kombinationsgabe, Menschenkenntnis, gute analytische Fähigkeiten, eine Tasche voller Tools ...? Aus unserer Sicht muss der Berater vor allem sich selbst kennen und wissen, was ihn als Mensch auszeichnet. Denn er arbeitet als Mensch mit Menschen. Sicherlich hat er auch viel mit Zahlen zu tun, doch steht hinter allem, was er tut, der Mensch. Wenn ein Berater eine gute Selbstkenntnis besitzt, kennt er seine Stärken wie auch seine Grenzen. Er kann einschätzen, bis zu welchem Punkt er dem Unternehmen ein guter Berater sein kann und weiß, wann er andere Kompetenzen heranziehen muss, sollte er an seine Grenzen kommen. Dem Kunden gegenüber offen entgegenzutreten macht ihn authentisch – und ist ein Merkmal von Weisheit.

2. Menschenkenntnis
Wer mit Menschen arbeitet, muss wissen, mit wem er es zu tun hat. Es ist nicht selbstverständlich, dass ein Berater eine gute Menschenkenntnis besitzt. Doch genau das ist ein wichtiger Punkt und unterscheidet einen durchschnittlichen Berater von einem guten Berater. Ein guter Berater – und weiser Gandalf – kann Menschen nicht nur schnell von ihrer Persönlichkeit her einschätzen, sondern weiß auch, wie er jedem Einzelnen begegnen muss. Wer das kann, wird mehr Erfolg haben in seiner Arbeit mit Menschen, denn dem wird es gelingen, sie sprichwörtlich mit ins Boot zu holen, um gemeinsam in eine Richtung zu rudern. Und wenn die Mitarbeiter erkennen, dass das angestrebte Ziel ein gemeinsames Ziel ist, wird die Umsetzung von Veränderungen eher akzeptiert.

3. Kombinationsgabe
Ein Berater als weiser Gandalf versteht die Komplexität eines Unternehmens und weiß, welche Auswirkungen eine Veränderung auf andere Bereiche eines Unternehmens hat. Er ist in der Lage, das »Konstrukt Unternehmen« als eine Matrix zu sehen, deren einzelnen Bereiche bildlich betrachtet mit Gummibändern miteinander in Verbindung stehen: Zieht man an einer Stelle, verändert das Verknüpfungen. Es ist somit absolut essenziell, dass ein Berater wie ein weiser Gandalf den Blick über den Tellerrand hat.

Machen wir uns nichts vor: Es gibt nicht sehr viele Berater auf dem Markt, die all diese Eigenschaften und Kompetenzen mitbringen. Daher kann man Unternehmen – besonders mittelständische Unternehmen – sehr gut verstehen, wenn sie Beratern gegenüber grundsätzlich skeptisch gegenüberstehen und am liebsten ihre Probleme selbst lösen.

Also, Berater: Arbeitet an Euch! Ihr habt so vieles in der Hand. Ihr könnt so unglaublich viel bewegen. Sorgt dafür, dass Ihr zu einem weisen Gandalf werdet!