Betriebsrat im Unternehmen – dein Feind und Helfer?

Von Carmen Halstenberg

In jedem Betriebsrat schlagen sicherlich zwei Herzen: auf der einen Seite ist es die kritische Instanz, auf der anderen Seite der Helfer. Denn auch Betriebsräte wollen nur eins: Die Arbeitsplätze sichern und erhalten. Manchmal ist es schon anstrengend darauf zu achten, dass es nicht nur darum geht, Gehalt und Lohn zu erhöhen, sondern dass der Betriebsrat auch mehr eingebunden wird, um die Prozesse begleiten zu können. Denn wenn er Prozesse mit begleitet, dann hört er auch auf, ein Feind zu sein.

Sicherlich gibt es zu Genüge die Konstellation, dass der Betriebsrat als Feind wahrgenommen wird. Und dann ist es für das Unternehmen auch anstrengend, denn man kann machen, was man will und es passiert nichts. Der Betriebsrat kann in Prozesse eingebunden werden, Recht und Gesetz wird seitens des Unternehmens eingehalten und trotzdem gibt es durchaus Betriebsratsgremien, die aus Prinzip nicht als Partner angesehen werden wollen. Allerdings glaube ich, dass das die wenigsten sind.

Betriebsrat, der Unternehmensbegleiter
Ich glaube, dass die meisten Betriebsräte mit Augenmaß handeln. Es sind alles »erwachsene« Menschen, die schauen müssen -und das auch wollen-, wie sie vernunftbegabt ein Unternehmen begleiten können. Je früher das Unternehmen sie in Veränderungsprozesse einbindet oder auch in andere laufende Prozesse, desto weniger wird der Betriebsrat ein Feind sein, sondern ein Helfer. Er schaut dann aus der Perspektive der Mitarbeiter und hakt bei der Unternehmensführung ein: „An dieser Stelle habt ihr eine falsche Entscheidung getroffen, da könnten wir Schwierigkeiten bekommen“, „Da ist die Meinung der Belegschaft eine andere“ oder „Da müssen wir mehr tun“.

Der Unternehmensleitung fehlt manchmal solch ein Gegenpool, der auch noch einmal wertschätzend aber auch kritisch auf alles draufschaut, was die Unternehmensleitung so umsetzen möchte – ob das auch stimmig ist mit dem Standort und der Belegschaft.

Beide Seiten müssen überzeugt sein
In einen solchen Prozess zu gehen ist verständlicherweise anstrengend, denn beide Seiten müssen erst einmal davon überzeugt werden – solange sie von zwei Seiten reden – dass sie eine Seite haben. Nämlich gemeinsam das Unternehmen stabil und zukunftsorientiert zu machen und es nicht in einen Billiglohnstandort abdriften zu lassen. Es ist auch nicht zielführend, wenn die Arbeitsplätze für un- und angelernte Mitarbeiter ins Ausland verlagert werden. Letztendlich hat auch niemand etwas davon, wenn die Gemeinden wieder unter fehlender Gewerbe- und Umsatzsteuer leiden. Und es würden viel zu viele Menschen in die Arbeitslosigkeit geschickt werden müssen. Dahingehend etwas Vernünftiges zu finden, liegt auch immer im Sinne des Betriebsrats.

Partnerschaft statt Feindschaft
Der Betriebsrat kann durchaus zum Partner des Unternehmens werden. Ich gebe zu, das ist oft schwierig und klappt nicht immer. Wenn doch, dann ist es in der Regel sehr erfolgreich. Das lässt sich auch an den ganz erfolgreichen Unternehmen hier in Deutschland ablesen. Da wird mit dem Betriebsrat gemeinsam gearbeitet. Sicher gibt es auch da Interessenskonflikte, doch das ist normal und auch nötig. Wenn der Betriebsrat wahrnimmt, was ihm rein gesetzlich möglich ist und der Arbeitgeber auch versteht, dass der Betriebsrat diese Aufgabe hat – nämlich zu kontrollieren und darüber zu wachen, ob Gesetze und Verordnungen auch eingehalten werden – dann dürften wir nicht mehr von Feindschaft sprechen, sondern von »kritischen Diskussionen«. Dann geht es eher um: Wie schaffen wir das gemeinsam?